Verlässlichkeit – Männer sind Söhne

Verlässlichkeit

Kennt Ihr Szenen, wie diese?
Sind Euch die beiden Pole bekannt?

Ist Verlässlichkeit und Verbindlichkeit wirklich unvereinbar mit dem Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl?
Schließt die Forderung „Commitments“ einzuhalten, die Verwendung einer Notbremse aus, nur weil sich jemand damit nicht gut fühlt?

Ich jedenfalls kenne diesen Disput aus vielen eigenen inneren Dialogen. Und wären da nur zwei isolierte Anteile, die in mir diesen Konflikt austragen, hätte ich es vermutlich leichter, einen Kompromiß für mich zu finden.

Ich habe aber den Eindruck, dass dieser Konflikt umfassender ist und eine viel größere Reichweite hat.
Hinter dem Ruf nach Verlässlichkeit steckt nicht nur ein Anspruch, den ich an mich habe, sondern allemal ist er gesellschaftlicher Dimension und hat eine entspechende Historie.

„Ein Mann, ein Wort“ bedeutet Verlässlichkeit und Verbindlichkeit

Besonders trifft es hier von jeher die Männer.
Mit „Ein Mann, ein Wort“ versicherte sich in früherer Zeit eine Institution der Vertrags- oder Bündnistreue des Angesprochenen.

Treue und Loyalität waren in dieser Deutungsrichtung wohl die Synonyme für Verlässlichkeit und Verbindlichkeit.
Scherte ein Mann hier aus und vielleicht dann noch mit einem Hinweis auf ein Bauchgefühl oder weil es zu anstrengend sei, verliess er den männlichen Pfad seines Vaters und Großvaters und riskierte seine Verbindung zu Männerwelt.
Er wurde nicht selten als weich, weiblich oder wortbrüchig abgestempelt und ausgeschlossen oder in anderer Weise sanktioniert.

Wie ist das heute?
Hat sich das verändert oder finden wir nicht genau diese Mechanismen auch in der Gegenwart, z.B. in der immer noch von Männern dominierten Geschäftswelt?

Ich denke, heute ist es ein wenig differenzierter.

Sehnsucht nach Halt

Heute verbinden viele mit Verlässlichkeit und Verbindlichkeit eine tiefe und – wie ich finde – sehr verständliche Sehnsucht nach Halt in einer immer volatileren Gegenwart, in der soviel versprochen aber nur so wenig eingehalten wird.
Es kostet mich so viel Energie, ständig aufpassen zu müssen, um all die Dinge zu kontrollieren, in denen ich das Gefühl habe, mich eben nicht mehr auf eine Institution oder einen Menschen verlassen zu können.
Wenn ich nicht wie ein Luchs aufpasse oder jemanden engagiere, dann zahle ich zu viel Steuern, schließe einen schlechten oder überflüssigen Versicherungsvertrag ab, schicke meine Kinder auf eine schlechte Schule.
Keiner sagt mir, dass es bestimmte benötigte Artikel für die Hälfte in einem anderen Online-Shop gibt, dass die Qualität einer bestimmten Waschmaschine schlecht ist. Ich zahle überflüssige Autoreparaturen, werde ausgespäht, von Politikern betrogen …

Oft habe ich das Gefühl, jeder denkt da nur an sich und seinen Vorteil und so versuche auch ich dann halt auch „meine Schäfchen ins Trockene“ zu bringen …
und dabei brenne ich über die Jahre aus, vergeude meine Energie und mein Leben für diesen endlosen Kampf des Sysiphos.

Und dann kommt da einer her, aus meinem Freundeskreis oder ein wichtiger Geschäftspartner, auf den ich mich bisher noch verlassen konnte und erzählt etwas von einem Bauchgefühl aufgrund dessen er sich aus der Zusammenarbeit oder einem gemeinsam geplanten Projekt zurückziehen möchte.

Innehalten und die Kontrolle mal abgeben

Der macht das, was ich mir niemals erlauben würde … er hält einfach an, er nimmt sich eine Auszeit und versucht wieder Kontakt zu sich selbst zu bekommen in dieser „Rat-Race“ unserer Gesellschaft. Sofort ist da meine Angst da, was passieren würde, wenn das jeder so macht … was wird dann aus uns und wo bleibe ich dann?

Nicht wenige von uns transformieren diese Angst dann in Aggression oder eine offen ausgesprochene oder verdeckte Drohung, um ihn, den „Outcast“ zu zwingen, wieder bei uns zu stehen.
Und dann fordere ich es auch ein, das „Ein Mann ein Wort“. Er soll den Druck spüren, den ich nicht mehr aushalten kann.

Dieses „Spiel“ ist nicht nur ein männliches Thema, sondern findet beispielsweise auch in vielen gemischtgeschlechtlichen Paarbeziehungen statt.
Aber für Männer potenziert sich diese Problem. Viele Männer haben sich viel stärker von ihren Bauchgefühlen oder überhaupt von ihrem „emotionalen Unterbau“ abgeschnitten und so ist vielen dieses Thema nicht so bewusst, wie Frauen.

Und so richtet sich unser Angebot, sich eine Auszeit zu gönnen, speziell an die Männer. Um in einer Männerrunde einmal nachzuforschen, wo ich gerade stehe, als Mann und als Mensch und wie ich mich fühle. Gemeinsam mit Euch wollen wir anhalten, still werden.

Und dann wollen wir mutig hinschauen, was dann hochkommt bei mir.
Wir wollen uns das mit Recht nehmen, was ich mir sonst oft wenig gönne. Zeit für mich, in der ich nicht kämpfen muss, sondern alles loslassen kann und mich verbinden mit anderen Männern.

Und dann kann das passieren, was so unmöglich erschien.
Aus Verlässlichkeit wird loslassen und aus Verbindlichkeit wird eine tiefe neue Verbindung mit mir selbst und dann auch mit anderen, die keines Zwanges und keiner Drohung mehr bedarf …

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