Mein wirklicher Vater und mein innerer Vater – Männer sind Söhne

Mein wirklicher Vater und mein innerer Vater

Foto: Der große Schatz in meinem Leben, mit meinem Vater in Frieden zu leben.Ich habe zwei Väter, einen äußeren und einen inneren. Mein äußerer Vater ist der Mann, der ein Leben gelebt hat, der durch Höhen, Tiefen und Flachland gegangen ist, der in Krieg und Gefangenschaft traumatisiert wurde, der sein Bestes für seine Familie gegeben hat, praktizierender Christ, liebevoll und wütend war, ungerecht und fürsorglich, ordnungsliebend, verwirrt, zugewandt, abwesend, zuverlässig, überfordert, traurig und witzig.

Meine Erinnerung an ihn ist voll von der Widersprüchlichkeit eines menschlichen Lebens. Als er vor einigen Jahren starb, hatten er und ich einen langen, guten Abschied voneinander hinter uns. Ich ließ ihn gehen.

Nach einigen Monaten tauchte mein innerer Vater in mir auf.

Ich spüre ihn in vielem, was ich von dem äußeren Vater gelernt habe und wofür ich dankbar bin. Praktische, handwerkliche Dinge. Seine Selbstdisziplin, gegen die ich stets rebellierte. Die Systematik seiner Büroablage. Seine Fähigkeit, Situationen zu reflektieren und aus verschiedenen Richtungen zu betrachten. Seine Art, unser Zuhause zu bewahren. Seine Beständigkeit, auch in seiner Liebe. Die Liste ist lang.

Meine biologischen Eltern leben nicht mehr, doch sie werden immer Teil meines Lebens sein. In mir lebt eine gute Mutter, ein guter Vater. Es sind die, die ich nicht zu idealisieren brauche, sondern die sich mir zuwenden ohne die Last und die Projektionen der schmerzvollen Teile ihrer Vergangenheit.

Hin und wieder erkundigen sie sich nach mir, souverän und in Respekt vor meinem Leben. Ich nehme sie mit und zeige ihnen, was ich mache.

Und ich habe die Erlaubnis meines Vaters, weiter zu gehen als er es konnte. In mir ist die Art, wie mein Vater seine Verletzlichkeit versteckt hat. Es ist an mir, mich zu öffnen und berührbar zu sein. In mir ist sein Sicherheitsbedürfnis und seine Risikoscheu. Es ist an mir, immer wieder die Bremse zu lösen und mein Leben trudeln zu lassen. In mir ist seine Einsamkeit und sein verborgener Schmerz. Es ist an mir, mit Menschen in wirklicher Gemeinschaft zu leben. In mir ist auch die Gewalt und die Missachtung, die Männer ihm angetan haben. Es ist an mir, mich Männern anzuvertrauen und gemeinsam unsere Zerbrechlichkeit, unsere Gewalttätigkeit und den ganzen Raum dazwischen zu befreien.

Ich bin nicht mein Vater. Aber ich bin sein Sohn. Und es ist ein großer Schatz in meinem Leben, mit meinem Vater in Frieden zu leben.

Foto: Klaus Rupp / pixelio.de